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Lulu Gesamtaufnahme

21.95


Diese berühmte Aufnahme aus dem Jahre 1979 (unmittelbar nach der Weltpremiere der kompletten Version der Oper in drei Akten produziert) ist jetzt unter dem Label Legendäre Aufnahmen der Deutschen Grammophon Gesellschaft in einer digital aufbereiteten Form erhältlich.

Diese Neuauflage hört sich an wie gute Hausmannskost und nicht wie irgend etwas radikal Neues, wenn auch der neue Klang sicherlich klarer und strahlender ist. Aber ich sehe weit und breit nicht irgendwelche weltbewegenden neuen Offenbarungen.

Aber das ist wohl kaum der wesentliche Aspekt; die Aufnahme selbst ist vielleicht eine der größten musikalischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts und wahrhaftig eine phänomenale Leistung.
Pierre Boulez dirigiert Bergs köstlich bissige Partitur, als ob er sie genau in dem jeweiligen Augenblick selbst komponieren würde, so spontan sind die Wechsel der Tempi und der Beschleunigung.

Dennoch ist gleichzeitig alles bis zum kleinsten Detail der Orchestrierung unter Kontrolle, konzentriert und gelenkt.

Teresa Stratas ist atemberaubend in der Titelrolle und vermittelt Lulus Herzlosigkeit und Verwundbarkeit mit der wilden Unerschrockenheit einer Heldensängerin.

Aber Lulu ist ebenfalls eine echte Lachnummer voller Galgenhumor (an einer Stelle fragt Lulu mit Unschuldsmiene : "Ist das nicht das Sofa, auf dem dein Vater verblutete "
Die größte Leistung von Boulez ist die Balance, die er zwischen dem Cartoon - ähnlichen Spaß einerseits und echtem, ergreifendem Pathos andererseits hält. Fabelhaft.

- Warwick Thompson .
  • 4 Bewertungen: 5.0




Lulu (Gesamtaufnahme)

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Berg ist ein Revoluzion in Opera Musik
This opera has become mythic in the world of the opera because it deals with a subject that is outrageous and frankly immoral. It starts like a circus with the presentation of the menagerie by a master of ceremonies, the most beastlike beast being the woman, Lulu of course.
This woman is a femme fatale so common in the clichés of the Belle Epoque from the Eiffel Tower to just before the Black Friday. She is an easy woman, not really a prostitute, at least at the beginning. A woman who wants to be free and finds her freedom in the love, meaning sex of course and derangement of the mind, she inspires in men around her and she has no limits, no sense either. She is absolutely crazy in her hunger for victims falling to her sex appeal. Even a Prince is caught but she cannot choose and runs away to one more and one more and one more. Some actually die along the way and she becomes the beast to be hunted and tracked down. The police is coming. She is helped out and suggested to disappear in Egypt or locked up in a house for the sole pleasure of one man who would cover the trip or pay for the refuge. She refuses in the name of her freedom in a way. Then we follow her descent into hell that is represented by the last three men she will get. A dealer in religious goods that has lost God. A black man clearly called a N**** (sorry for the word but such characters were common in European culture in that period due to the colonialization of Africa and the still pending experience of nazi racism) in the libretto and the opera, and finally the anachronism of all centuries, Jack the Ripper who will of course rip her up and finish her up forever. But what is most interesting in this opera is the complete transformation of the role of music.
A turnaround seems to have taken place in the music as well as in the opera in these 1930s. The music is no longer a "decoration", a beautiful virtuosity, which it became at the end of the Middle Ages and with the Renaissance. It does not go back to the religious finality it had before of expressing the divine beauty of God's creation and God's teaching or message. But it is not either any more some entertaining element that had to please the senses as represented in the evolution in the 18th and 19th centuries. It has become part of the plot and the libretto. An opera is all sensory because it is synesthetic but this synesthesia is expressed by the merging of the various levels of the opera: the music, the singing, the language, the meaning, the plot, and of course the stage production. Music is not there to embellish the scene, or to enable the singers to glow and shine. The music builds the density of the plot, of the opera. The "instrumental and vocal" music is only part of the vast all-mediatic and all sensory music of a modern opera from plot to stage.
The end comes from Lulu's own hands. Lulu introduces Jack the Ripper as her latest street conquest and she negotiates her deal or trick with him but she is a novice and Jack is actually paid by her for the business that is in no way shady at this moment but a pure suicide or execution. A complete reversal. She takes him to the bedroom. The Countess then sings the dirge that announces Lulu's death that comes after her four "nein" and her death-cry. Jack comes out and washes his hands, like Pilate in another situation. The Countess closes the story with a call to Lulu the angel, which reminds us of her commitment just before Lulu's death to the rights of women. This opera then becomes an archetype by this very story.
Aren't women who want to be free reduced to prostitution and death? Is the future of women's rights in the fake freedom these prostitutes represent? Is the end always death in the hands of some perverse sex addict? Can such a woman only bring death and ruin to the men who love her? Can she only satisfy murderers like Jack the Ripper?
And the music builds the whole story. The contradictory tendencies, interpretations, the play in the play. What we see - voyeurs that we are - is not what it means. Life is a stage on which human beings strut and play their parts. But music on the stage turns the actors into actors of themselves, twofold, double, dual actors or marionettes that are playing a mental play inside the superficial visible play, and that mental play is revealed by the music and the singing. The music reveals the second depth of the play.

Dr Jacques COULARDEAU, University Paris Dauphine, University Paris 1 Pantheon Sorbonne & University Versailles Saint Quentin en Yvelines

 
  Nicht nur wegen der Vollständigkeit hervorragend
Nicht nur das Ende von Friedrich Cerha macht diese Aufnahme zu einem besonderen Ereignis. Teresa Stratas ist eine brillante Lulu, der Rest des Ensembles ist erstklassig. Eine Pflichtaufnahme für jeden Fan des Werkes
 
Grandios
Leider konnte ich dieses grandiose Werk noch nicht auf der Bühne erleben, aber auch die CD ist ein großer Gewinn. Ich habe erst recht spät einen Zugang zu Bergs Opern gefunden, aber inzwischen sind sie für mich ein echter Hörgenuss. Man kann die erste Szene des 2. Aktes von "Lulu" als fantastische Parodie auf Mozarts "Figaros Hochzeit" auffassen. An allen Ecken und Enden entdeckt der Ehemann (Dr. Schön) versteckte Liebhaber seiner Frau Lulu, und als ein versteckter Gymnasiast den von den Kugeln Lulus tödlich getroffenen auffängt, lauten seine letzte Worte: "Und - da - ist - noch - einer!". Das müsste man einmal in einer guten Aufführung auf der Bühne erleben!

Sicher sollte man auch den rekonstruierten 3. Akt einmal gehört haben, aber mir persönlich würde eine Aufführung, die als 3. Akt nur die von Berg fertiggestellten Teile aus der Lulu-Suite verwendet (mit dem Todesschrei Lulus!) besser gefallen.
 
  Die erste Gesamtaufnahme der Lulu
1979 wurde Bergs zweite Oper "Lulu" erstmals vollständig in Paris uraufgeführt. Dem Komponisten war es nicht mehr möglich, die Partitur fertigzustellen, da eine Blutvergiftung seinem Leben im Jahr 1935 ein jähes Ende setzte. Lediglich den ersten und zweiten Akt konnte Berg fertig der Nachwelt hinterlassen, der dritte Akt existierte zum Zeitpunkt seines Todes nahezu vollständig als Particell. Das bedeutet, die Musik war schon geschrieben, mit zahlreichen Hinweisen zur Instrumentation, aber eben in dieser Form noch nicht aufführbar. Helene Berg, die Witwe des Komponisten trat mit der Bitte um Fertigstellung der Partitur an Arnold Schönberg, Alban Bergs ehemaligen Lehrer, heran, der jedoch ablehnte mit der Begründung, er wolle sich nicht an der Produktion mit einer Prostituierten als Hauptperson beteiligen. Daraufhin erklärte Helene Berg, das Werk dürfe von niemand anderem komplettiert werden, und damit verschwand das umfangreiche Material für Jahrzehnte bis zum Tode Frau Bergs in irgendeiner häuslichen Schublade.
So blieb die Oper, die neben Bergs "Wozzeck" und Zimmermanns "Die Soldaten" einen der ganz großen Meilensteine in der Geschichte der Oper im 20. Jahrhundert darstellt, über vierzig Jahre hinweg ein Torso, dessen Akte 1 - 2 aufgeführt wurden, der 3. Akt mitunter von Schauspielern dargestellt angehängt wurde.
Diesem unbefriedigendem Zustand setzte der österreichische Komponist Friedrich Cerha, ein ausgezeichneter Kenner des bergschen Ruvres, in den späten 1970er Jahren ein Ende, das Werk wurde komplettiert 1979 in Paris unter der Leitung von Pierre Boulez mit Teresa Stratas in der Titelrolle uraufgeführt. Im Anschluß an diese Produktion nahm die Deutsche Grammophon das Werk mit der Originalbesetzung im Studio auf, deren Ergebnis uns hier vorliegt.
Als großer Liebhaber der Musik Alban Bergs darf ich gleich vorwegschicken: Diese Oper gehört in den engsten Kreis meiner Lieblingswerke.
In den Bereich der dramatischen Oper anzusiedeln, gehört die "Lulu" zum ergreifendsten, das ich je gehört habe.
Achtung: Es handelt sich hier keinesfalls um eine romantische oder spätromantische Oper, wer (zu Recht) Puccini liebt und die Musik der klassischen Moderne verabscheut, sollte sich genau überlegen, ob er sich die "Lulu" antun möchte.
Die Musik ist durchweg zwölftönig organisiert, allerdings im gewohnt bergschen Stil, der Komponist scheut, im Gegensatz zu seinem Lehrer Arnold Schönberg, nicht die Verwendung dur-molltonaler Klänge, eben das macht seine Musik auch dem ungeübten Hörer durchaus zugänglich, man muß eben nur willens sein, sich darauf einzulassen.
Wem dies gelingt, dem wird gerade die vorliegende Aufnahme mit einer schier unglaublichen Teresa Stratas, die ihrem wirklich schweren Part Leben verleiht, dreieinhalb Stunden lang alles andere vergessen machen, garantiert!