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The Alchemy Index : Vols. I & II Fire & Water

12.17


Auf den ersten beiden zusammen veröffentlichten EPs beschäftigt sich das Quartett mit den Elementen Feuer und Wasser und lotet dabei sämtliche Extreme des Post - Hardcore - Sektors bis an ihre Grenzen und darüber hinaus aus. Die sechs Fire - Tracks enthalten noch - thematisch passend - feurige, brachiale Metalcore - Riffattacken, bedrohliche Doom - Passagen und verschrobene Avantgarde - Wirbelstürme mit leichtem Deftones - Einschlag.

Doch schon hier - und noch viel offensichtlicher auf dem Water - Sixpack - mischen sich immer wieder federleichte, schwebende Ambient - Soundteppiche, eingängige Alternative - Rock - Passagen, grandiose moderne Bombast - Rock - Klangkathedralen und zerbrechliche Düster - Metal - Passagen unter das, was teils nur noch rudimentär als Hardcore erkennbar ist. Jane s Addiction und Coheed And Cambria treffen auf die Nine Inch Nails und A Perfect Circle, erhabene Härte vereint sich mit Seelenstreichler - Melodien.

Ein grandioser Doppelschlag, dessen Fortsetzung The Alchemy Index : Vols. III & IV - Earth & Air uns im Frühjahr 2008 serviert wird. - Michael Rensen

Mit den ersten beiden The Alchemy Index - Teilen starten Thrice zu ihrem bislang ambitioniertesten Projekt, das die Kalifornier nicht nur textlich deutlich gereift zeigt.
The Alchemy Index ist ein aus vier EPs bestehendes Mammutwerk, mit dem Dustin Kensrue & Co. endgültig jegliche Genre - Grenzen hinter sich lassen.
  • 12 Bewertungen: 4.5




The Alchemy Index : Vols. I & II - Fire & Water

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12.17

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The open water is an awful thing...
Konzeptalben sind so 'ne Sache, viele Bands verheben sich leicht an ihren hochgesteckten Zielen, sie wollen zu viel und gehen am Ende damit baden. Thrice ist das zum Glück nicht passiert, im Gegenteil, sie blühen gerade zu auf bei ihrem Feuer+Wasser-Projekt. Feurig, wie der Titel verspricht, gestaltet sich der erste Teil. Zu hören sind sechs knackige Songs mit gewohnt wuchtigen Riffs, aber auch sehr melodiösen Passagen. Hier präsentieren die Kalifornier mit Schwung und Elan ihre wilde, progressive Seite.

Der zweite Teil zeigt auf beeindruckende Weise, wie experimentell eine Bands sein kann, wenn sie alle Freiheiten hat. Water ist ohne Zweifel der stärkere Teil der Platte, meiner Meinung nach auch der stärkste beider Alben. Digital Sea, Open Water, das Instrumental Night Diving und allen voran The Whaler sind Songs die süchtig machen. Wasser scheint das wahre Element der Jungs zu sein, es gelingt ihnen einfach brillant, die unendliche Weite und gefährliche Tiefe dieses Elements musikalisch darzustellen. Der Sogwirkung, die sie damit erzeugen, will man sich gar nicht entziehen.
Vorhaben perfekt umgesetzt, mehr gibt es nicht zu sagen.
 
  Musikalische Innovation jenseits aller Hörgewohnheiten
Es hat schon etwas Dramatisches, wenn ein Majorlabel eine seiner trächtigeren Rockbands aus ihrem Vertrag entlässt, weil diese an einer Vision festhalten. So geschehen bei Thrice. Während der Entstehung von "The Alchemy Index" kam es zum Split bei Island Records (das Label war geschockt, unter dem neuen Material keine Rockradio-tauglichen Stücke vorzufinden) und Thrice fand Heimat beim Indielabel Vagrant, wo ihnen die Türen offen standen.

Man sollte ihnen für diesen Schritt dankbar sein, denn mit "The Alchemy Index" gehen Thrice einen mutigen Schritt, der sie mit Sicherheit viele Fans kosten, ihnen aber auch neue Hörer verschaffen wird. Schon auf dem Vorgänger "Vheissu" ging es komplexer zur Sache und man merkte, dass hier eine Entwicklung von statten ging, bei der sich Thrice deutlich von "Identity Crisis"- und "The Artist And The Ambulence"-Zeiten abhoben. Das neue Werk setzt noch einmal einen drauf: die Vertonung der vier Elemente der Alchemie in je sechs Songs auf vier EPs, zusammen gefasst zu zwei Alben.

VOL. I - FIRE
Dieser Teil erinnert dabei noch am Meisten an die alten Thrice, auch wenn man eingängige Melodien missen muss. Es gibt Riffgewitter, geschriene Parts und Melodik, dabei befassen sich alle Songs inhaltlich mit dem Feuer. "Firebreather" wird von einem Riff angetrieben, dass wie eine Walze scherfällig vorwärts rollt und auf's Gehör drückt. "The Messenger" entfaltet nach der elektronischen Einleitung eine schnelle, wütende Synkope, die so schnell vorbei ist, wie sie gekommen ist. "Backdraft" und "The Arsonist" bilden eine Einheit, was Gewicht und Lautstärke angeht. "Arsonist" endet in einem unglaublich orgiastischen Finale. "Burn The Fleet" überrascht durch seien beinahe poppige Leichtigkeit. "The Flame Deluge" bildet den Abschluss. Dustin Kensrue nimmt textlixh die Perspektive des Feuers ein. Der Song selbst ist als Sonett aufgebaut, am Ende ist es fast unklar, mit welcher Leichtigkeit von Laut zu Leise gewechselt wird und Thrice die letzten zwei Zeilen des Stückes minimalistisch wiedergeben.

VOL. II - WATER
Wenn es einen Krassen Kontrast gibt, dann ist es der von der Fire-EP zur Water-EP. Synthetische Klänge, Effekte und Verzerrer prägen das Klangbild von "Digital Sea", dem Opener. Wie hier mit musikalischen Mitteln Liquidität fühlbar gemacht wird, ist schon bemerkenswert. Am Ende scheint Kensrue im Wasser zu ertrinken. "Open Water" geht leichtfüßig noch einen Schritt weiter und nutzt weiche Klänge, die ineinander zu fließen scheinen. "Lost Continent" führt diese Richtung konsequent fort, ist aber allgemein dynamischer als die beiden Vorgänger. Das für mich herausragendste Stück ist das Instrumental "Night Diving", welches einen nächtlichen Tauchgang und das darin Gesehene beschreibt. Der Song verleiht einem das Gefühl, dass man im Dunkeln unter Wasser spüren mag. Die Isolation und Leichtigkeit, beides kommt rüber. Wenn die Gitarren dazu einsetzen wissen wir, dass der Taucher gerade etwas Unglaubliches erlebt. An einr Stelle verklingen alle Töne fast, was wohl das baldige Ertrinken des Tauchers darstellen soll, aber er schafft es gerade noch, wieder aufzutauchen. "The Whaler" markiert das traumhafteste Stück der EP, das voller Sehnsucht und Melancholie steckt. Das Sonett "Kings Upon The Main" stellt wieder den Schlusspunkt dar, in dem Kensrue in die Perspektive des Wassers schlüpft. Die letzten zwei Zeilen sind dabei ähnlich bis gleich intoniert, wie bei "The Flame Deluge".

Diese ersten Beiden Teile sind schon eine starke Leistung, und die Erwartungen an die Fortsetzung sind auf jeden Fall groß. Hörgewohnheiten spilen bei Thrice's Meisterstück keine Rolle. Ganz ganz großes Kino im Postrock. Hätte ich einen Hut, würde ich ihn ziehen. Chapeau!
 
Fire, Water - BURN!
Feuer. Wasser. Erde. Luft.
Jedem Stoff der Vier-Elemente-Lehre aus der antiken griechischen Philosophie je eine EP widmen und sich mit den kontrastreichen Themen musikalisch und textlich auseinandersetzen - das auf diese Idee in der großen Prog-Ära zu Beginn der siebziger Jahre keine Band gekommen ist. Wie auch immer: vor kurzem hatten THRICE diese Idee und die Feuer- und die Wasser-EP liegen nun gebündelt vor.

Feuer:
Die Arbeit zum Thema Feuer erinnert von beiden EPs am ehesten an das bisherige Schaffen von THRICE. Das ganze Vier-EP-Konzept beginnt mit Firebreather, einem Song, der sofort die brachiale Urgewalt des Feuers spüren lässt und einen würdigen Opener abgibt. Das folgende, knackig-kurze The Messenger legt in Sachen Wucht dann sogar noch eine Schippe drauf und man kann es fast schon Metalcore nennen. Eigentlich kommt die ganze EP bis auf das nachdenkliche Burn The Fleet - gemäß dem Thema sehr wuchtig und kraftvoll daher. Das abschließende The Flame Deluge, also frei übersetzt Feuerregen, ist die Vertonung dessen, was ein flame deluge übrig lässt: ausgebrannte Häuser, zerstörte Städte als Beispiele werden hier an zentraler Stelle im Song die Bombennächte von Dresden sowie die Zerstörung Gernikas durch die deutsche Luftwaffe genannt. Ein würdiger Abschluß des Themas Feuer.

Wasser:
Die Wasser-EP setzt logischerweise einen soundtechnischen Kontrapunkt zur Kraft und Gewalt der ersten EP. Hier dominieren sphärische Klänge, die zum großen Teil von elektronischen Spielereien getragen werden, wie in der ersten Single-Auskopplung Digital Sea oder im hinreißenden The Lost Continent, das sich inhaltlich wohl auf den platonischen Mythos von Atlantis beziehen soll. Beim Stück Nightdiving verlassen THRICE sich dann komplett auf die neuen Elemente in ihrem Klangkosmos und liefern ein reines Intrumentalstück ab, bevor auch das Thema Wasser mit dem tollen The Whaler und dem eher schwächeren Kings Upon The Main abgeschlossen wird.
 
  Überwältigend. Ein Meilenstein.
Wie aus dem Nichts liefern Thrice hier ein Kleinod ab, das alle bisherigen Konventionen des Genres und der modernen Rockmusik sprengt.

"The Alchemy Index" ist kein Werk, was man sich als Hörer nur mal so nebenbei anhören sollte. Vielmehr verlangt das Mammutprojekt danach, dass man sich mit dem Klangteppich, der hier von Thrice ausgebreitet wird, eingehend auseinandersetzt - sowohl musikalisch als auch textlich.

Es wird experimentiert mit Synthi-Sounds, Drumloops und dicht arrangierten Streichereinsätzen. Schwere, tragende Grooves wechseln sich ab mit sorgfältig eingesetzten Schrei-Passagen, sphärischen Klängen und melancholischen Melodien.

Mutig ist der Weg, den Thrice mit diesem Konzept-Vierteiler eingeschlagen haben, allemal, doch in diesem Fall wird Mut mit etwas belohnt, dass den Blick, den man auf die Band bislang hatte, für immer verändert hat. Thrice beweisen, dass sie dazu fähig sind, etwas zu kreieren, was in der heutigen Rockmusik Seltenheitswert hat, nämlich ein von inspirierter Experimentierfreude motiviertes Meisterwerk.

Auch wenn man meinen könnte, dass ich mich hier weit aus dem Fenster lehne, möchte ich behaupten, dass hier Rockgeschichte geschrieben wird, und vermutlich wird erst mit Teil 3 & 4 die Komplexität und Dichte, von der "The Alchemy Index" bestimmt wird, in ihrer Gänze deutlich werden.

 
I'm drowning in a digital sea
Es hat lange gedauert, bis ich mir ein einheitliches Bild dieser CD machen konnte. Am Anfang war ich sehr skeptisch. Das Projekt mit einer harten & einer soften CD kann mich nicht wirklich überzeugen (wie bei "In Your Honor" von den Foo Fighters). Ich weiß nicht wie oft ich die CD angehört habe (& warum sie so einen Bonus hatte) aber nach und nach hat sich ihre Vielfältigkeit entfaltet. Der potenzielle Käufer muss sich also Zeit nehemen. Musikalisch ist TAI ein Schwergewicht. Der Opener "Firebreather" geht voll auf in den Magen, auch "The Arsonist" & insebsondere "Burn The Fleet" überzeugen voll. Auf der ruhigen CD sind "Digital Sea" und das Instrumental "Night Diving" besonders zu erwähnen. Außer dem Track "The Artist in the Ambulance" kenne ich nichts sonst von Thrice, habe aber mitunter gelesen, dass sie sich zu weit von Ihren Wurzeln entfernt hätten. Die vorliegende Scheibe(n) überzeugen mich aber. Das ist genau die Musik, die ich hören möchte. Welches Etikett man nun hinhängen möchte, Emo, NuMetal, ProgRock oder Alternative (leider eine Münze, die bald nichts mehr bezahlt) tut meines Erachtens nichts zur Sache. Fazit: Absolut empfehlenswert.